Der neue Ennser

eine fiktive Figur

Monat: August 2016

Woche 6 – Sicher ans Ziel

Habt Ihr gewusst, was Taxiunternehmen heutzutage alles anbieten? Ich auch nicht! Doch eines gleich vorweg: Ein Taxi in Enns, ist nicht mehr nur ein Taxi. Als ich vergangene Woche an einem wunderschönen Sommermorgen gut gelaunt zu meinem Wagen schlenderte und die erfrischende Landluft, die man als Großstädter ja nur aus dem Fernsehen kennt, inhalierte, gab mir mein treues Gefährt mit einem schüchternen Gurgeln zu verstehen, dass es sich an diesem Tag nicht einen Meter von der Stelle bewegen wird. Ungünstiger Zeitpunkt, dachte ich im selben Moment und googelte hastig eines der Ennser Taxiunternehmen. Man will ja schließlich nicht zu spät zur Arbeit kommen. „Taxiunternehmen Brenner, grüß Gott“, vernahm ich eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Keine fünf Minuten später, war er auch schon da, der Herr Brenner höchstpersönlich.

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Redselig wie ich bin, quasselte ich fast ununterbrochen und erfuhr dabei einige interessante Details. Neben dem normalen Taxibetrieb bietet das Brenner Taxi zusätzlich VIP-Fahrten, Jugendfahrten, Krankentransporte, Fahrradtransporte, Hochzeitsfahrten, Flughafentransporte und sogar Botendienste an. Ist ja DER Hammer. Und was das Allerwichtigste ist: Auf die Ennser Taxis ist Verlass. Erst vor kurzem hat die alteingesessene Ennserin ein bisschen zu tief ins Glas geschaut und war dann heilfroh, dass sie nicht länger als zehn Minuten auf ihren wackeligen Beinen ausharren musste, eher sie vom Taxi aufgepickt und sicher vor der Haustüre abgeliefert wurde.

Apropos abliefern – heute Abend liefert das Kulturzentrum Zuckerfabrik das erste Percussiontreff „Trommeln & More“ im Schlosspark ab. Da kann jeder, der Spaß an der Musik hat, seine Instrumente und eine Picknickdecke einpacken und die berauschende Atmosphäre des Schlossparks, um ebenso berauschende Klänge bereichern. Und so werden wir drei uns heute Abend auf den Weg machen und das erste Percussiontreff unter freiem Himmel genießen. Um 18 Uhr geht’s los.

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Woche 5 – Der neue Ennser ist jetzt zu dritt

Oh Mann, ich glaub ich bin verliebt. Seitdem mich die nette Dame, die ich beim Countryfest kennengelernt habe, über die Tanzfläche wirbelte und ich beim anschließenden Linedance alles, nur keine gute Figur machte, verging  kein Tag, an dem wir uns nicht getroffen haben. Ihr wallendes Haar, die großen Augen und ihre kaum zu bändigende Lebensfreude haben es mir angetan. Grund genug, um sie euch vorzustellen: Also liebe Leute, das ist die „alteingesessene Ennserin“. Ich bitte um Applaus und um einige Augenblicke der Anerkennung für dieses wunderschöne Gesicht! Seht sie euch an, ist sie nicht einfach nur zauberhaft?

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Aber damit nicht genug. Nachdem wir uns einige Male an den so zahlreichen romantischen Plätzen, die Enns zu bieten hat, getroffen hatten, durfte ich ihren Sohn kennenlernen. Ja, ihr habt richtig gehört. Der „kleine Ennser“ ist sechs Jahre alt und eine wahre Sportskanone, wie ich schon bald bemerkte. Aufgeweckt und neugierig wie er ist, durchforstet er die Wälder, erklimmt die höchsten Bäume und kann es kaum erwarten, das erste Schuljahr zu beginnen. Ich habe ihn schon jetzt ins Herz geschlossen.

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Ich bin von den Landstrichen und den vielen Grünflächen, die Enns zu einer wahren Entspannungsoase machen, schwer beeindruckt. Die alteingesessene Ennserin führte mich an Orte, die so magisch und märchenhaft vor den Toren der Altstadt liegen, als hätte sie van Gogh in mühevoller Detailarbeit auf eine seiner Leinwände gezaubert, bevor er völlig am Rad drehte und sich das linke Ohr abschnitt. Der Schlosspark dient vielen Ennsern als Ruhepol – kein Wunder also, dass sich dort jeden Samstag viele Menschen zum einstündigen „Yoga im Park“ treffen, um einmal so richtig abzuschalten. Kommenden Samstag ist der letzte Termin. Schon lange nicht mehr fühlte ich mich so entspannt, ausgeglichen und glücklich. So könnte meine Reise ewig weitergehen…

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Woche 4 – Neuer Job und viel zu feiern

Was war das für ein Wochenende, aber  alles der Reihe nach. Zuerst darf ich stolz und erhobenen Hauptes verkünden:  Ich habe einen Job, und was für einen, als wäre er auf mich zugeschnitten. Am Montag geht’s schon los und um ehrlich zu sein, kann ich es gar nicht erwarten. Ich bin gespannt. Und weil ja Kleider Leute machen, war es an der Zeit, mich bürotauglich einzukleiden. Also machte ich mich auf den Weg in die Linzerstraße und stattete den Schmid’s einen Besuch ab. „Schmid Mode“ – ein geschulter Blick des Chefs persönlich reichte völlig aus, um – meinem Typ entsprechend – passendes Material aus den Regalen zu holen. Ich war fasziniert und räumte den halben Laden leer – jetzt fühle mich, wie neu geboren.

Woche 4 Schmid

Am Samstag erhielt ich dann eine kostenlose Bluesberatung  von Frau Dr. Manuela. Die hat’s drauf, sag ich euch, so drauf wie keine. Mit Texten, wie Rasierklingen so scharf, brachte sie ihr Publikum in Wallung, zum Staunen und zum Lachen. Ganz zu Schweigen von der Perfektion, mit der die Band ihre Instrumente beherrschte – ich war schwer beeindruckt und fühlte mich danach etwas leichter. Die Beratung schien angeschlagen zu haben.

Woche 4 Blues

Dann, nur einen Tag später, verwandelte sich der Ennser Hauptplatz plötzlich  in den Wilden Westen. Da wurde geschunkelt und getanzt, getrunken und gespeist. Menschen mit großen Hüten und Sporen an ihren Stiefeln begrüßte mich mit den Worten:  „Howdy Partner“, obwohl ich weder „Howdy“, noch „Partner“ heiße. Plötzlich schnappte eine äußerst entzückende junge Dame meine Hand und schleuderte mich quer über die Tanzfläche, als gäb’s kein Morgen. Als ich dann, wie ein Kreisel, die Tanzfläche verließ, setzten wir uns zu Tisch und unterhielten uns noch lange. Bestimmt werden wir uns wiedersehen. Ich freue mich.

Woche 4 Country

Woche 3 – Von Pikachus und Grillwürsten

Und wieder ist eine Woche vergangen. Ich hab mich bereits gut eingelebt und auch schon eine Bleibe gefunden. Eine kleine aber feine Drei-Zimmer-Wohnung mitten im Zentrum – das reicht fürs Erste. Als ich mir vor einigen Tagen die St. Marienkirche einmal genauer ansehen wollte, lief mir eine Schar von Kindern entgegen, die alle auf der Suche nach einem gewissen „Pikachu“ gewesen sein dürften. Sie schrien wild durcheinander: Pokestop, Mauzi, Absol – ich verstand nur Bahnhof – und zischten an mir vorbei, als wär ich nur ein Hindernis auf ihrem Weg zum nächsten Level. Gleichzeitig erhielten sie von einem Stadtführer allerlei Informationen über dieses schöne Städtchen – so wurde mir gesagt.

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Einen Tag zuvor machte ich es mir im Gastgarten des Turmcafes gemütlich und schunkelte zu Liedern wie Country Road, Knockin´ on heavens door und Blowing in the wind, die ein Musiker auf seiner Gitarre zum Besten gab. Der Harry – ich sags euch – der weiß, wie man eine Bratwurst grillt, dass sie im Mund nur so zergeht.

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Und diese Woche, ja diese Woche stehen bereits einige Vorstellungsgespräche am Programm. Schließlich gehen auch meine Ersparnisse irgendwann einmal zu Ende. Und so ein bisschen Arbeit hat ohnehin noch Niemand geschadet. Mal sehen, was sich so alles ergibt, ich bin guter Dinge und freue mich auf weitere Eindrücke in meiner neuen Heimat.

 

Woche 2 – Wohnungssuche

Da ich es mir leider nicht leisten kann, ewig in einem Hotelzimmer zu wohnen, ist es nun an der Zeit, mir eine Bleibe zu suchen. Früh am Morgen – so gegen 10 Uhr – mache ich mich also auf den Weg zum Stadtamt, einmal Umgefallen bin ich auch schon da. Als ich das Sekretariat des Herrn Bürgermeisters betrete, werde ich von zwei sehr netten Damen begrüßt, die ihren Ärger über die ständig klingelnden Telefone gekonnt überspielen.

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„Ich würde gerne wissen, wie ich am schnellsten zu einer Wohnung komme“, sage ich voller Erwartung und werde sogleich einen Stock tiefer in die Bürgerservicestelle verwiesen. Dort läuft mir dann (rein zufällig) der Herr Bürgermeister über den weg. „Franz Stefan Karlinger“, sagt er und reicht mir die Hand. „Der neue Ennser“, sage ich und werde freundlicherweise direkt zur zuständigen Mitarbeiterin begleitet.

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Dort Platz genommen wird mir erklärt, dass ich meine e-card und die letzten drei Lohnzettel vorlegen müsse, um in die Kartei aufgenommen zu werden. Das war’s auch schon. Sollten die Wohnbaugesellschaften WSG, LAWOG, OÖWB oder EBS mit freien Wohnungen an die Stadtgemeinde herantreten, werde ich darüber informiert und kann mir in weiterer Folge die zu vermietenden Wohnung ansehen. Jeden 1. Donnerstag im Monat findet dann von 16 bis 18 Uhr ein Wohnungssprechtag statt, bei dem je nach Dringlichkeit ein Mieter ausgewählt wird. Nun heißt es also erstmal abwarten. Die herzliche Art, mit der ich bisher behandelt wurde bekräftigt meine Entscheidung, mich hier niederzulassen. Enns scheint mir ein sehr freundliches Pflaster zu sein.

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