Der neue Ennser

eine fiktive Figur

Monat: März 2017

Ein Ausflug in die ruhigen Wälder von Enns

Der neue Ennser nutz­te den Frühlingsbeginn und die warmen Temperaturen, um durch die wunderschönen Wäl­der von Enns zu spazieren. Dabei wurde er ganz poetisch.

Es gibt nicht vieles im Leben des Neuen Ennsers, über das er sich mehr zu freuen vermag, als über den langsam voranschreitenden Wechsel zwischen dem sich ver­neigenden Winter und dem auf­blühenden Frühling. Wie die meisten Menschen erwacht er jedes Jahr aufs Neue aus seiner Winterdepression, sobald die ers­ten Sonnenstrahlen an sein Fenster klopfen und ihm zurufen, er möge doch seinen Bau verlassen, um an der frischen Luft Kraft zu tanken. Dies lässt sich ein Neuer Ennser nicht zweimal sagen und schon gar nicht von einem Sonnenstrahl. So kam es, dass der Neue Ennser auch seine zwei Liebsten zu moti­vieren versuchte – dies gelang ihm ohne große Müh – mit ihm durch den Eichberg zu spazieren, der ebenfalls gerade dabei ist, seine Besucher mit den ersten Früh­lingsblümchen zu verzücken. Die beiden ließen sich nicht zweimal bitten, und leisteten dem Neuen Ennser Geleit, was ihn dazu ver­anlasste mit einem breiten Grinsen seine Freude Kund zu tun.

Noch etwas träge von der Samstäglichen Morgenstund, benötigte der Kleine Ennser nun doch etwas zusätzliche Motivation in Form eines fünften Nutellabrotes, das ihm erlaubt wurde während des Spazierganges zu verspeisen. Der daraus resultie­rende Zuckerschock veranlasste den Kleinen dazu, wie ein wild­gewordenes Rhinozeros in den Wald zu stürmen, und zwischen den vielen Bäumen hindurchzulau­fen. Manchmal stellte ihm eine aus dem Erdreich ragende Wurzel ein Bein. Der Zucker jedoch erstick­te jeglichen Schmerz direkt im Keim. Herr und Frau Ennser ge­nossen zwischenzeitlich die Stille, die ein solcher Wald in der Lage ist seinen Besuchern darzubieten und erfreuten sich der vielen Vögel, die über ihre Häupter hinweghuschten. Sie sangen. Die Vögel auch. Noch viele Stunden strichen die drei durch die Wälder und freuten sich in einer Stadt beheimatet zu sein, die eine solche Abwechslung zum Stadtleben bietet.

17 Enns DNE online

Der Neue Ennser lässt seine romantische Seite aufblitzen

Romantisch behauptet er zu sein, der Neue Ennser. Bewiesen hat er es bisher eher selten. Das will er nun ändern, weshalb er sich für seine Ennserin etwas ganz Besonderes überlegt hat.

Man sagt dem Neuen Ennser nach, nicht gerade der romantischste Zeitgenosse zu sein, was der Neue Ennser als ungeheuerliches und erlogenes Vorurteil empört abtut. Man kann dieser Behauptung aber durchaus zustimmen, sofern man sich an das letzte Geburtstagsgeschenk, das er für seine Ennserin besorgt hatte, zurückerinnert: einen Hochleistungsstaubsauger von Dyson. Zwar hatte sie schon einige Male davon gesprochen, sich ein solches Teil zuzulegen, zum Geburtstag hätte sie sich dann aber doch ein etwas weniger funktionelles Geschenk gewünscht. Ein Vorwurf – wenn auch ein stiller – den der Neue Ennser nicht so leicht auf sich sitzen lässt.

„Morgen schläfst du bei Oma“, lässt er den Kleinen Ennser wissen, während er Kleidungsstücke in eine kleine Tasche packt. „Mama und ich haben was vor.“ Außer sich vor Freude, weil der Kleine bei der Oma schon frühmorgens den Fernseher einschalten darf, rennt er drei Runden im Kreis und springt durch die Wohnung, als wäre er ein Gummiball, den man wuchtig gegen die Wand geschleudert hätte. „Wozu brauchst du denn einen BH?“, kichert der Kleine, der Neue Ennser hatte versucht, einen davon unbemerkt in die Tasche zu stecken. „Der ist für Mama“, antwortet er leise, „ist eine Überraschung, also nichts verraten!“ Nachdem der Neue Ennser seine Ennserin schick zum Essen ausgeführt hatte, zieht er einen riesigen Schlüssel aus seiner Jackentasche, während sie vor dem Stadtturm zum Stehen kommen. „Wofür ist der denn“, fragt die Ennserin verblüfft und hätte eigentlich „der Schlüssel zu meinem Herzen“, als Antwort erwartet. Als sie realisiert, dass der Neue Ennser das Pixel im Turm gebucht hat, fängt sie vor Freude fast zu weinen an. „Da sag nochmal einer, du hättest keinen Sinn für Romantik“, schluchzt sie überwältigt, ehe sie die 71 Stufen nach oben steigen. Dann öffnet der Neue Ennser die Tür…

Das quadratische Bett gefiel den beiden ganz besonders gut.

Das quadratische Bett gefiel den beiden ganz besonders gut.

Und auch ein Eintrag ins Gästebuch durfte natürlich nicht fehlen.

Und auch ein Eintrag ins Gästebuch durfte natürlich nicht fehlen.

 

Der neue Ennser besucht den Bauernmarkt

Als der neue Ennser vergangenen Freitag durch die Innenstadt spazierte, um sich am Bauernmarkt gegen Mittag einen kleinen Snack zu gönnen, musste er traurig feststellen, dass der Markt schon wesentlich bessere Tage gesehen hat.

Drei Stände waren am Haupt­platz aufgebaut – die letzten Rit­ter einer Bauernschaft, die nach wie vor für ihre Kunden Wind und Wetter trotzen, um frische, regionale Ware anzubieten. Dabei meinte es das Wetter an diesem Freitag nicht gerade gut mit den hiesigen Bauern. Der neue Ennser marschierte von Stand zu Stand und begutachtete die Produkte. Frisches Obst, Backware, Selbst­gebranntes und noch jede Menge Schmankerl sollten die Kunden eigentlich anlocken. Bis auf ei­nige Bauernmarkteinkäufer aus Überzeugung tat sich allerdings wenig. Nach einem kleinen Rund­gang kam der neue Ennser mit einem der Bauern ins Gespräch. Ein junger Bursche, der gar nicht daran denkt, die Flinte ins Korn zu werfen. „16 Stände haben hier einst ihre Ware verkauft, da war noch was los am Haupt­platz“, erzählte er nostalgisch und schwelgte in Erinnerungen, ehe er dem neuen Ennser einen frischen Apfel über die Theke zuwarf. Dass sich die Bauern nach und nach vom Hauptplatz verabschie­den wundert ihn aber nicht. „Der Aufwand spricht einfach nicht dafür“, lässt er ihn wissen. Doch was wäre eine Stadt wie Enns, dachte der neue Ennser, ohne einen funktionierenden Bau­ernmarkt? Während er in Gedan­ken versunken nach einer Lösung grübelte, lief ihm TSE-Chef Max Homolka über den Weg. Schnell verwickelte ihn der neue Ennser in ein Gespräch, in dem er zu veranschaulichen versuchte, wie sehr ein gut organisierter Bauernmarkt, dem Stadtleben gut tun würde. Homolka war sofort Feuer und Flamme, was der Neue Ennser vor allem an den funkelnden Augen erkannte, die ihn beinahe aufzufressen schienen – so sehr war er vom Enthusiasmus des Neuen Ennsers begeistert. „Ich werde mich des Problems annehmen“, versprach Homolka, während er seinen Blick über den Hauptplatz schwenkte. Noch lange tauschten sie ihre Ge­danken aus, ehe der Plan immer konkreter wurde. Eines sei verraten: Man darf auf jeden Fall gespannt sein.

Der Ennser Bauernmarkt soll einen neuen Aufschwung erleben.

Der Ennser Bauernmarkt soll einen neuen Aufschwung erleben.

 

Der Neue Ennser denkt, er wäre Restaurant-Tester

Schon oft verbrachte der neue Ennser den einen oder anderen Abend im Turmcafe, erfreute sich der vielen Veranstaltungen, des Mittagsmenüs und der gemütlichen Atmosphäre. Nun wurde das Lokal unter Tülay Kisin neu eröffnet.

Der neue Ennser konnte es gar nicht erwarten, sich ein Bild von den neuen Räumlichkeiten zu machen und marschierte an seinem freien Tag geradewegs ins Stadtzentrum, um das Lokal auf seine Frühstücksqualitäten zu testen. Schon beim Betreten stach ihm der riesige, knallrote Kaffeeautomat ins Auge. Nachdem der Neue Ennser freundlich begrüßt wurde, schlich er voller Neugierde in den hinteren Bereich und war ob der neueingerichteten Räume hellauf begeistert. Alles wirkte hell, freundlich und modern. Dann nahm er an der Theke Platz und bestellte einen Cappuccino. Als wäre er Kaffeesommelier, der genau weiß wovon er spricht, schlürfte er genüsslich den Milchschaum aus der Tasse, ehe er den Kaffee seine Kehle hinunterlaufen ließ – beinahe fiel er vom Stuhl, so begeistert war er. „Ich habe schon viele Kaffees genossen“, sagte er voller Überzeugung, während er mit einer Serviette seine Mundwinkel abtupfte, „aber dieser hier schmeckt wirklich vorzüglich, Chapeau!“

Die fleißigen Mitarbeiter zeigten sich erfreut und erfüllten dem neuen Ennser sogleich den nächsten Wunsch: Ein Croissant hätte der feine Herr gerne – steht nur leider nicht in der Speisekarte. Für die Turmcafe-Mitarbeiter kein Problem. Als ginge es um Leben und Tod, sprintete einer von ihnen aus dem Lokal, nahm die Kurve zur Mauthausnerstraße im Drift und legte einen Boxenstopp in der Bäckerei Aichberger ein. Wenige Sekunden später servierte er dem neuen Ennser das Croissant, als hätte er es soeben aus der Küche geholt. Nicht ein einziger Schweißtropfen perlte von seiner Stirn. Hochzufrieden genoss der Neue Ennser den Vormittag im neuen Turmcafe und ist sicher, nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein.

Der Kaffee schmeckte dem neuen Ennser schon mal vorzüglich.

Der Kaffee schmeckte dem neuen Ennser schon mal vorzüglich.

 

Der lustige Faschingsumzug am Ennser Hauptplatz

Vergangenes Wochenende war mächtig was los in Enns. Die Narren übernahmen das Kommando in der Innenstadt, während der neue Ennser eine sonderbare Entdeckung machte.

Pünktlich um 14 Uhr traf die Familie Ennser am Stadtplatz ein und mischte sich zwischen hunderte kostümierte Menschen, die allesamt gespannt auf die vielen lustigen Faschingswagen warteten, die den Ennser Hauptplatz in einen Ort ohne jede Regel verwandelten. Angeführt von der Thalinger Faschingsgilde folgte die bunte Kolonne, die so manch einen in Staunen versetzte. So auch den neuen Ennser. Denn als er plötzlich sein Gesicht auf einem riesigen Plakat, gleich am ersten Wagen erblickte, wusste er so gar nicht, wie ihm geschah. Eine äußerst hässliche Nonne streckte es in den Himmel, während drei Römer dem begeisterten Volke erhaben zuwinkten und es mit jeder Menge Zucker beschenkten. Die Masse war außer sich. Noch bevor der neue Ennser einen klaren Gedanken fassen konnte, bog der Wagen auch schon in die Linzerstraße ein, dicht gefolgt von summenden Bienen, angsteinflößenden Teufeln, betrunkenen Mexikanern, lieblichen Engeln, sogar ein Schirennen wurde mitten am Ennser Hauptplatz ausgetragen. Welch ein Spektakel.

Ob er denn zu tief ins Glas geschaut habe, fragte er sich beiläufig und nahm die Verfolgung auf. Wie ein Irrer überholte er Wagen für Wagen und wurde von herumfliegenden Konfettis und bunten Luftschlangen immer wieder an seiner Aufholjagt gehindert. Als er den Römischen Streitwagen beinahe eingeholt hatte, wurde er von einem der fleißigen Ordner zur Seite geholt. Das Volk müsse hinter den Absperrungen bleiben, um nicht verletzt zu werden, wurde ihm freundlich mitgeteilt. Jede Widerrede war zwecklos. Kaum machte die Kolonne wenig später halt, war das Schild verschwunden. Bis heute ist der neue Ennser nicht sicher, was er da gesehen hatte. Eines aber weiß er: einen solchen Faschingsumzug hatte er bisher noch nicht erlebt.

Foto: Wolfgang Simlinger

Foto: Wolfgang Simlinger

 

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