Vergangenes Wochenende war mächtig was los in Enns. Die Narren übernahmen das Kommando in der Innenstadt, während der neue Ennser eine sonderbare Entdeckung machte.

Pünktlich um 14 Uhr traf die Familie Ennser am Stadtplatz ein und mischte sich zwischen hunderte kostümierte Menschen, die allesamt gespannt auf die vielen lustigen Faschingswagen warteten, die den Ennser Hauptplatz in einen Ort ohne jede Regel verwandelten. Angeführt von der Thalinger Faschingsgilde folgte die bunte Kolonne, die so manch einen in Staunen versetzte. So auch den neuen Ennser. Denn als er plötzlich sein Gesicht auf einem riesigen Plakat, gleich am ersten Wagen erblickte, wusste er so gar nicht, wie ihm geschah. Eine äußerst hässliche Nonne streckte es in den Himmel, während drei Römer dem begeisterten Volke erhaben zuwinkten und es mit jeder Menge Zucker beschenkten. Die Masse war außer sich. Noch bevor der neue Ennser einen klaren Gedanken fassen konnte, bog der Wagen auch schon in die Linzerstraße ein, dicht gefolgt von summenden Bienen, angsteinflößenden Teufeln, betrunkenen Mexikanern, lieblichen Engeln, sogar ein Schirennen wurde mitten am Ennser Hauptplatz ausgetragen. Welch ein Spektakel.

Ob er denn zu tief ins Glas geschaut habe, fragte er sich beiläufig und nahm die Verfolgung auf. Wie ein Irrer überholte er Wagen für Wagen und wurde von herumfliegenden Konfettis und bunten Luftschlangen immer wieder an seiner Aufholjagt gehindert. Als er den Römischen Streitwagen beinahe eingeholt hatte, wurde er von einem der fleißigen Ordner zur Seite geholt. Das Volk müsse hinter den Absperrungen bleiben, um nicht verletzt zu werden, wurde ihm freundlich mitgeteilt. Jede Widerrede war zwecklos. Kaum machte die Kolonne wenig später halt, war das Schild verschwunden. Bis heute ist der neue Ennser nicht sicher, was er da gesehen hatte. Eines aber weiß er: einen solchen Faschingsumzug hatte er bisher noch nicht erlebt.

Foto: Wolfgang Simlinger

Foto: Wolfgang Simlinger