Auch die Familie Ennser feiert Ostern, doch wohl kaum ein anderes Kind ist am Ostersonn­tag dermaßen aus dem Häuschen, wie der Kleine Ennser. Der näm­lich will ein Osterlamm, und zwar zum Frühstück.

6.00 Uhr: der Kleine Ennser reißt seine Augen auf. Es ist Ostersonn­tag und er hat sich vorgenommen, noch vor dem Osterhasen aus dem Bett zu sein. Zumindest ist es ihm gelungen, seiner Mama und dem Neuen Ennser zuvorzukommen. Der freut sich wenig, als der Klei­ne um 6.07 Uhr vor seinem Bett steht und ihn wachrüttelt „Es ist Sonntag“, murmelt er verschla­fen, „gib mir noch eine Stunde.“ Der Kleine Ennser denkt gar nicht daran und nervt den Neuen Ennser so lange, bis er sich dazu hinreißen lässt, ebenfalls aufzustehen.

„Ich will Frühstück“

Es ist 6.15 Uhr. „Ich will ein Osterlamm zum Frühstück“, äußert der Klei­ne seinen Wunsch, der Neue Enn­ser verdreht die Augen, 6:25 Uhr. Weil er aber weiß, dass des Klei­nen Ausdauer an Tagen wie diesen grenzenlos ist, spart er sich jegliche Diskussion und sam­melt die Zutaten zusammen, er hat sich schon tagelang auf seinen Kocheinsatz vorbereitet: Drei Stück Eier, 130 Gramm Staubzucker, eine Prise Salz, eine Packung Vanillezu­cker, ein halbes Stück Zitrone (ab­geriebene Schale), 130 Milliliter Kronenöl Spezial (mit feinem But­tergeschmack), 130 Gramm Mehl, eine halbe Packung Backpulver und 130 Milliliter Eierlikör, 6.30 Uhr.

Die Zubereitung

Der Neue Ennser bewegt sich, weil müde, wie in Trance. Während er den Dotter vom Eiklar trennt, darf der Kleine Ennser die Backform mit Öl ausstreichen und mit Mehl ausstauben, der Backofen wird vor­geheizt. Danach muss der Eidotter mit 70 Gramm Staubzucker, Salz, Vanillezucker und abgeriebenen Zitronenschalen gut schaumig ge­rührt werden. Der Kleine Ennser schaut gespannt zu. Schon jetzt ist er ganz weiß im Gesicht. 6.45 Uhr. Alle anderen Menschen auf der Welt schlafen noch. Der Neue Enn­ser schlägt das Eiklar mit dem üb­rigen Staubzucker zu Schnee. Der Kleine klatscht in die Hände. 6.50 Uhr. Dann wird noch die Mehlmi­schung und der Eierlikör in die Öl- Masse ge- und zuletzt der Schnee untergehoben. Im Anschluss wan­dert das Gemisch in die Lammform und dann ab in den Backofen. 6.55 Uhr. Zirka 35 Minuten später ist das Lamm fertig.

Das Lamm ist fertig

Der Kleine ist ganz aufgeregt. „Wie gut das hier duftet“, sagt die Ennserin, die vom süßen Aroma, das sich in der gan­zen Wohnung ausgebreitet hat, aus dem Bett gelockt wurde. 7.35 Uhr. Und woher er denn wisse, wie ein solches Lamm zubereitet wird, will sie wissen, während sie sich zu Tisch setzt. Das allerdings bleibt sein Geheimnis. Außerdem dürfe man heute nicht zu lange trödeln, um 10 Uhr beginnt immerhin der Ostergottesdienst mit Pater Martin. Und da hat man bereits zugesagt. Der Kleine freut sich. „Da können wir wieder mit Pater Martin um die Wette laufen!“ Der Osterlauf ist in Enns schon fast Tradition. Dieses Mal werde ich es schaffen“, sagt der Kleine, „heuer werde ich Pater Martin in der Kirche überholen.“ Da ist er ganz sicher.