Der kleine Ennser wei­gert sich, seine Haare abschnei­den zu lassen, weil er sie eigent­lich wie ein Rock-Star wachsen lassen will. Dennoch muss er zum Friseur, und das schmeckt ihm so gar nicht.

Wenn dem kleinen Ennser was gegen den Strich geht, dann gnade Gott jedem, der dafür verantwort­lich ist. In diesem Fall ist es die Ennserin, die das Gesicht ihres Sprösslings, aufgrund der Haar­pracht, wenn man sie so nennen will, schon gar nicht mehr sehen kann. Absichtlich kämmt sich der Kleine das Haupthaar tief ins Gesicht, um möglichst so aus­zusehen wie Ozzy Osbourne in seinen jungen Jahren und hüpft, den Kamm als Mikrofon verwen­dend, quer durch die Wohnung. „Paranoid“ untermalt die Atmo­sphäre akustisch. „Du sollst dir mit dem Kamm die Haare rich­ten!“, schimpft die Ennserin und vereinbart sogleich einen Termin beim hair team verena, „weil ir­gendwann auch bei mir der Ofen aus ist.“

Da ein Kunde ausgefallen ist, können sie gleich los. Der Kleine findet’s gar nicht lustig. 20 Mi­nuten später werden die beiden freundlich begrüßt und zu einem freien Stuhl geleitet. Bei so vielen hübschen Damen verflüchtigt sich die schlechte Laune des kleinen Ennsers fast automatisch. Als wäre es seine Idee gewesen, die Haare abschneiden zu lassen, erklärt er Friseurin Julia ganz genau, wie er den Schnitt gerne haben will. „Nicht ganz kurz, oben ein biss­chen länger lassen, an den Seiten kürzer, kann ich bitte einen Kaf­fee haben?“ Die Ennserin winkt energisch ab. Auch, dass er sich die Haare rot färben lassen will, und zwar genauso, wie Friseu­rin Julia, erlaubt die Mama nicht. Am Ende ist der Kleine mit seiner Frisur aber vollauf zufrieden und fordert seine Mama beim Zahlen auf, ja nicht zu wenig Trinkgeld in den vorgesehenen Schlitz zu werfen. Immerhin müssen auch Friseurinnen von was leben, sagt er bestimmt, ehe sie sich verab­schieden.

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