Der neue Ennser

eine fiktive Figur

Monat: Juni 2017

Der Kleine Ennser hatte am Pfarrfest großen Spaß

Vergangenes Wochenende stand in der Pfarre Enns-St. Ma­rien das Pfarrfest am Programm. Und da – das wusste der Kleine Ennser schon lange – wollte er unbedingt hin.

Sonntagmorgen: Nichts hielt den Kleinen Ennser noch in seinem Bettchen, als er gegen 5 Uhr Früh das erste Mal die Augen öffne­te. Auf Zehenspitzen schlich er ins Schlafzimmer und zog an der Decke des Neuen Ennsers: Hunger habe er, und ohnehin sei es höchste Zeit endlich aufzustehen. Das sah der Neue Ennser völlig anders. Ein einziger Blick war ausreichend, um dem Kleinen zu verstehen zu geben: Junge, es ist noch zu früh, viel zu früh! Also machte sich der Kleine Ennser daran, Frühstück zuzubereiten, damit später nicht zu viel Zeit vertrödelt wird. Und siehe da: des Kleinen Plan ging auf.

Das Pfarrfest

Pünktlich um zehn trafen die drei beim Festgottesdienst ein. Der Kleine Ennser geht gerne in die Kirche, vor allem wenn Pater Martin da ist, weil es dann immer ganz besonders lustig wird. So auch dieses Mal. Im Anschluss ging’s zum Frühschoppen mit der Musik­kapelle. Besonders angetan haben es dem Kleinen Ennser die Schu­achplattler. Und hätte es die Ball­spiele, die Hüpfburg oder die vie­len anderen Aktivitäten für Kinder nicht gegeben, hätte er vermutlich selbst den restlichen Tag geplattlt. So aber ließ er sich schminken und nahm an verschiedenen Workshops teil. Schon zuvor drängte er seine Mama, sie solle unbedingt Lose für die Orgeltombola kaufen. Der Klei­ne Ennser hoffte, das Mittagessen mit Pater Martin und seinen Mit­brüdern zu gewinnen. Leider hatte er kein Glück, dafür setzte sich Pater Martin später an seinen Tisch, um gemeinsam Würstel zu essen. Die schmeckten dann umso mehr.

Foto: Christoph Huemer

Foto: Christoph Huemer

 

Der neue Ennser hat Rücken

Dass man in seinem Alter nicht mehr unaufgewärmt zu den Gewichten greifen sollte, weiß der Neue Ennser spätestens seit letz­ter Woche. Nun zwingt ihn seine Bewegungsunfähigkeit zum Phy­siotherapeuten. Und davon gibt es in Enns Gott sei Dank reichlich.

Nachdem der Neue Ennser ohne der Hilfe seiner Ennserin gar nicht im Stande gewesen wäre, das Bett zu verlassen, freut er sich, so kurz­fristig einen Termin bei einer der Physiotherapeutinnen im Ennser Gesundheitszentrum erhalten zu haben. Einmal angerufen, war der Termin auch schon da. Der Kleine Ennser kugelt sich am Boden vor Lachen, als er den Neuen Ennser in tief gebückter Haltung durch die Wohnung schleichen sieht. „Mama, Mama!“, ruft er belustigt, „wir soll­ten dem Neuen Ennser einen Geh­stock kaufen. So einen, wie alte Männer ihn brauchen!“ Dann bricht er erneut in Gelächter aus. Der Neue Ennser findet’s gar nicht lus­tig und weist den Kleinen zurecht.

Linderung

Im Gesundheitszentrum angekom­men, quält sich der Neue Ennser die Stufen hinauf in den ersten Stock. Dort empfängt ihn sogleich Kerstin Käferböck, die sich mit ihrem Team um die Beschwerden der Menschen kümmert. Auch Patienten, die nicht in Enns beheimatet sind, werden im ersten Stock des Gesundheitszent­rums behandelt. Nach dem Erst­gespräch ist der Neue Ennser froh, endlich auf der Behandlungsliege zu liegen. Allerdings währt sie nur kurz, die Freude. Mit einigen ge­konnten Handgriffen, treibt Kerstin dem Neuen Ennser die Tränen in die Augen. „Halb so wild“, sagt sie ruhig, „ich werde die verhärteten Muskeln ein bisschen auflockern, dann sollten die Schmerzen deut­lich nachlassen.“ Um sein schmerz­verzerrtes Gesicht nicht zeigen zu müssen, nickt er zustimmend mit dem Kopf, ohne ihn zu heben. Nach etwa einer halben Stunde bittet ihn Kerstin, sich aufzurich­ten. Und siehe da: der Schmerz ist verschwunden. Der Neue Enn­ser kann es gar nicht glauben. Mit einem Strahlen im Gesicht bedankt er sich tausendmal und stolziert erhobenen Hauptes auf den Park­platz hinaus. Dass er sich vor dem Sport in Zukunft besser aufwärmen muss, wurde ihm zusätzlich noch mit auf den Weg gegeben.

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Der Kleine Ennser planscht im Ennser Freibad

Dem Neuen Ennser be­kommt die Hitze nicht so beson­ders, was ihn dazu veranlasst, verzweifelt nach Abkühlung zu suchen. Da kommt ihm das Ennser Freibad ganz gelegen.

Sehr zu Freuden des Kleinen macht sich der Neue Ennser Samstagvormittag daran, eine große Badetasche zu packen: ein Tag im Ennser Freibad ist ange­sagt. Frühmorgens schon bereitet die Ennserin Wurstsalat, Weckerl und Getränke vor, die sie mit sehr viel Fingerspitzengefühl in eine riesigen Kühltasche schlichtet. Es kann also losgehen. Mit den Rädern geht es – am Bleicher­bach entlang – direkt zum Hin­tereingang. Dort könne man die Fahrräder besser abstellen, so des Neuen Ennsers Kalkül. Kaum bezahlt, lässt der Kleine Ennser alles fallen und stürmt in Rich­tung Nichtschwimmerbecken (obwohl er schon schwimmen kann) und wirft sich, begleitet von einem lauten Kampfschrei, in die Fluten. Mama Ennser findet’s gar nicht lustig und weist ihren Sprössling zurecht. „So geht das nämlich nicht!“, lässt sie ihn mit erhobenem Zeigefinger wissen.

Die Rutsche

Als man dann endlich ein geeig­netes Plätzchen gefunden, die De­cken ausgebreitet und die Verkös­tigung im Schatten platziert hatte, gibt es für den Kleinen Ennser kein Halten mehr. Mit Höchstge­schwindigkeit rennt er die Stufen der Wasserrutsche hinauf, bis er schließlich – ganz außer Atem – oben ankommt und sich abermals mit Anlauf in die Rutsche wirft. Begleitet von einem ohrenbetäu­bendem „Yippieee“, saust er nach unten und nimmt die Kurven wie ein Bobfahrer im Eiskanal, dabei zieht er an einem anderen Buben oben vorbei – freundlich wie der Kleine ist, winkt er ihm noch heiter zu -, ehe er unten ange­kommen, aus dem Wasser hüpft und wieder nach oben rennt. Dies zelebriert er über Stunden hinweg, wäh­rend der Neue Ennser einige Län­gen im großen Becken schwimmt und sich später im Restaurant mit seiner Ennserin einen Kaffee ge­nehmigt. Als die beiden wieder an ihren Platz zurückkehren rennt der Kleine noch immer die Stufen nach oben, als wäre er nicht ganz bei Trost.

17 Enns DNE

 

Eine mittelalterliche Stadtführung durch Enns

Die Überraschung war perfekt: wie letzte Woche berich­tet, buchte der Neue Ennser für seine Eltern eine Stadtführung mit Martl Hoeffle. Und so schil­dert der Neue Ennser die Tour:

Am Ennser Hauptplatz erwartete uns ein in mittelalterliche Klei­dung gewickelter Stadtführer na­mens Martl Hoeffle. Wir wurden mit den Worten „Ich begrüße euch in der ältesten Stadt Österreichs und entführe euch heute in das Mittelalter – zur Zeit der Stadt­rechtserhebung – ins Jahr 1212“, willkommen geheißen. Eigentlich entführte uns der Stadtführer noch weiter zurück in die Zeit. Zu Be­ginn erfuhren wir, dass Enns nicht erst seit 1212 besteht sondern sei­nen Ursprung schon unter den Kel­ten hatte, deren Königreich Nori­cum später zur römischen Provinz wurde, woraus sich das antike Lauriacum, das spätere Enns, ent­wickelt hatte.

Und es geht weiter

Vorbei am Badehaus – beim Bader konnte man sich Haare und Nägel schneiden oder sogar die Zähne brechen lassen – ging es weiter zum Zwinger. Hier waren die Reste der alten Stadt­mauer gut erkennbar. Der Stadt­führer erzählte, dass die Stadt­mauer unter anderem mit dem Lösegeld, das die Engländer für Richard Löwenherz bezahlt hat­ten, finanziert wurde. Den steilen Ennsberg hinauf – mit Entsetzen stellte ich fest, dass meine Mama fitter ist als ich – erreichten wir die St. Marien Kirche. Was mir sofort ins Auge fiel: der Kirchturm pass­te nicht zur Kirche. Martl erklär­te, dass es bei den Bettelorden, die die Kirche um 1300 erbaut hatten, nicht üblich war, Türme zu errich­ten.

Soweit so gut,

nächstes Ziel: der Pfaffen- und der Bäckerturm. Dort konnte man die Stadtmau­er in voller Höhe sehen, auch die Schießscharten waren noch sehr gut erkennbar. Gemetzel sonder­gleichen muss das gewesen sein damals. Vorbei am ehemaligen Linzertor betraten wir dann den mittelalterlichen Wall, die heutige Seufzerallee. Hinter den Holzwän­den (wir waren so frech und stell­ten uns auf ein Bankerl) erkannte man den Graben noch sehr gut. Auch der Judenturm war zu sehen. Martl ließ uns wissen, dass das alte Legionslager der Römer „re­cycled“ wurde. Die großen Qua­der des Lagers wurden abgetragen und in der Stadtmauer und in vie­len weiteren Gebäuden verbaut. Ich lauschte den Worten unseres Stadtführers genau und sog alles auf wie ein Schwamm. Um nicht zu viel zu verraten, beende ich aber hiermit meine Schilderung und kann die Mittelalter-Stadt­führung nur jedem ans Herz legen. Vielen Dank Herr Hoeffle.

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Der Neue Ennser sucht das Tourismusbüro

Die älteste Stadt Ös­terreichs hatte es den Eltern des Neuen Ennsers beim letz­ten Besuch sehr angetan, nun hatte er eine grandiose Idee: eine Stadtführung nämlich, mit vielen wissenswerten In­formationen. Nur: wo ist die Tourismusinfo hin?

Voller Stolz – ein Geistesblitz dieser Art ereilt den Neuen Enn­ser nicht jeden Tag – marschier­te er am Freitag gut gelaunt in Richtung Tourismusinfo, um eine Stadtführung für seine El­tern zu buchen. Mama und Papa Ennser haben sich für nächs­te Woche bereits angekündigt. Leider wurde des neuen Enn­sers Euphorie schnell getrübt, als er bemerkte, dass offensicht­lich jemand die Tourismusinfo gestohlen hatte. Weit und breit keine Jasmina Mujacic und auch von der netten Praktikantin fehl­te jede Spur. Was war los? Wie ein Besessener lief er quer über den Hauptplatz und begab sich auf die Suche nach den verlo­ren gegangenen Damen. Ohne Erfolg, weshalb er sofort vom Schlimmsten ausging, während er beinahe den Tourismusob­mann Wolfgang Brunner über den Haufen lief. „Du!“, schrie der Neue Ennser, „du weißt eh immer alles, wo ist die Touris­musinfo abgeblieben?“ Brunner starrte ihn mit großen Augen an. „Wir hätten heute ein Turm­schnitzel im Angebot, auch mit Suppe, wenn gewünscht, oder die vegetarische Variante…“ „Tourismusinfo!“, schrie der Neue Ennser wie von Sinnen und riss Brunner aus seinem Arbeits- Modus. Dieser begann lauthals zu lachen und deutete mit dem Finger in Richtung Stadtturm. „Ich würde es mal da versuchen“, sagte er schließlich und machte den Neuen Ennser darauf auf­merksam, dass die Tourismusin­fo aufgrund der Landesausstel­lung umgebaut werde, wie man auf dem großen Plakat, das man eigentlich gar nicht übersehen könne, erkennt. Dem neuen Enn­ser fällt ein Stein vom Herzen. Er bedankte sich vornehm und kam schlussendlich doch noch sicher am Ziel an.

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