Die Überraschung war perfekt: wie letzte Woche berich­tet, buchte der Neue Ennser für seine Eltern eine Stadtführung mit Martl Hoeffle. Und so schil­dert der Neue Ennser die Tour:

Am Ennser Hauptplatz erwartete uns ein in mittelalterliche Klei­dung gewickelter Stadtführer na­mens Martl Hoeffle. Wir wurden mit den Worten „Ich begrüße euch in der ältesten Stadt Österreichs und entführe euch heute in das Mittelalter – zur Zeit der Stadt­rechtserhebung – ins Jahr 1212“, willkommen geheißen. Eigentlich entführte uns der Stadtführer noch weiter zurück in die Zeit. Zu Be­ginn erfuhren wir, dass Enns nicht erst seit 1212 besteht sondern sei­nen Ursprung schon unter den Kel­ten hatte, deren Königreich Nori­cum später zur römischen Provinz wurde, woraus sich das antike Lauriacum, das spätere Enns, ent­wickelt hatte.

Und es geht weiter

Vorbei am Badehaus – beim Bader konnte man sich Haare und Nägel schneiden oder sogar die Zähne brechen lassen – ging es weiter zum Zwinger. Hier waren die Reste der alten Stadt­mauer gut erkennbar. Der Stadt­führer erzählte, dass die Stadt­mauer unter anderem mit dem Lösegeld, das die Engländer für Richard Löwenherz bezahlt hat­ten, finanziert wurde. Den steilen Ennsberg hinauf – mit Entsetzen stellte ich fest, dass meine Mama fitter ist als ich – erreichten wir die St. Marien Kirche. Was mir sofort ins Auge fiel: der Kirchturm pass­te nicht zur Kirche. Martl erklär­te, dass es bei den Bettelorden, die die Kirche um 1300 erbaut hatten, nicht üblich war, Türme zu errich­ten.

Soweit so gut,

nächstes Ziel: der Pfaffen- und der Bäckerturm. Dort konnte man die Stadtmau­er in voller Höhe sehen, auch die Schießscharten waren noch sehr gut erkennbar. Gemetzel sonder­gleichen muss das gewesen sein damals. Vorbei am ehemaligen Linzertor betraten wir dann den mittelalterlichen Wall, die heutige Seufzerallee. Hinter den Holzwän­den (wir waren so frech und stell­ten uns auf ein Bankerl) erkannte man den Graben noch sehr gut. Auch der Judenturm war zu sehen. Martl ließ uns wissen, dass das alte Legionslager der Römer „re­cycled“ wurde. Die großen Qua­der des Lagers wurden abgetragen und in der Stadtmauer und in vie­len weiteren Gebäuden verbaut. Ich lauschte den Worten unseres Stadtführers genau und sog alles auf wie ein Schwamm. Um nicht zu viel zu verraten, beende ich aber hiermit meine Schilderung und kann die Mittelalter-Stadt­führung nur jedem ans Herz legen. Vielen Dank Herr Hoeffle.

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