Der Neue Ennser kam vergangene Woche zufällig bei einer Gruppe Boccia-Spieler vorbei, als er durch den Schloss­hof marschierte, um sich in der Schlossbar eine Tasse Kaffee zu genehmigen. Doch dazu kam es nicht.

„Hast du zwei gesunde Hände?“, rief ein älterer Herr – offensicht­lich der Kapitän des Triumvirats der Kugeln – und gab dem Neuen Ennser mit der Hand zu verstehen, er möge doch bitte kurz zur Grup­pe stoßen. Etwas irritiert leistete er der Aufforderung Folge und gab sogleich bekannt, dass er in seinem Leben noch nie eine Boccia-Kugel in den Händen gehalten habe und deshalb womöglich nicht der opti­male Spielpartner sei, sofern das der Grund gewesen ist, weshalb man ihn hergebeten hat. Der älte­re Herr schlug sogleich die Hände über dem Kopf zusammen und fragte den Neuen Ennser in schar­fem Ton, ob er denn hier irgend­wo Sand gesehen hätte. „Günther, mein Name übrigens!“ Und noch bevor der Neue Ennser die Frage überhaupt verstanden hatte, er­gänzte Günther, dass man nur auf sandigem Untergrund von Boccia spreche, weil man das vor allem in Italien so spiele. Sie aber – und wie könne man nur etwas anderes den­ken – würden Pétanque spielen, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Jules Le Noir im südfranzösischen La Ciotat erfunden wurde.

Ehrgeiz

Der Neue Ennser zeigte sich ob des ge­schichtlichen Wissens beeindruckt und stimmte einem Spielchen nach kurzer Überlegung dann doch zu. Als dann auch noch TSE-Chef Max Homolka des Weges kam, entbrannte im Hof des Schlosses Ennsegg ein erbitterter Kampf um die Zielkugel. Schon nach weni­gen Würfen war der Neue Ennser nicht mehr ansprechbar. Wie ein Besessener fieberte er mit jeder einzelnen Kugel mit, lief und sprang neben ihr her und sank in die Knie, sobald der Gegner seine besser platzierte Kugel einfach wegschoss. Zwischendurch sorg­te selbstgepanschter Schnaps für etwas Wärme, während die Tem­peraturen mit den Stunden immer tiefer sanken. Selbst als schon alle anderen zuhause waren, stand der Neue Ennser zitternd vor Kälte im Hof und warf eine Kugel nach der anderen, ehe ihn die Ennserin am Kragen nachhause zerrte

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