Manchmal hat der Kleine Ennser doch etwas ausgefallene Wünsche. Vergangene Woche zum Beispiel nötigte er seine Mama dazu, mit ihm in ein Kaf­feehaus frühstücken zu gehen, und zwar am späten Nachmittag.

Wie er sich das denn vorstelle, frag­te ihn die Ennserin kopfschüttelnd und woher er denn immer diese aus­gefallenen Ideen hat wollte sie auch gleich wissen: „Frühstücken, wie das Wort an sich schon beschreibt“, sagt sie, „tut man in der Früh und nicht am Nachmittag. Und nur weil du ein Marmeladensemmerl haben willst, wird kein Kaffeehaus extra für dich wieder das Frühstücks­geschirr aus den Kästen holen. Außerdem kannst du das zuhause auch haben.“ Als der Kleine Enn­ser das hörte, wurde er fast zornig. „Erstens“, argumentierte er, „gibt es sehr wohl ein Kaffeehaus, in dem es auch am Nachmittag Frühstück gibt und zweitens, will ich kein Marme­ladensemmerl sondern Schinken, Käse und Obst. Und zwar auf einem Etagere!“ „Auf einem was?“, frag­te die Ennserin sicherheitshalber noch einmal nach und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „E-T-A-G-E-R-E“, buchstabierte der Kleine Ennser kopfschüttelnd und ob der Unwissenheit seiner Mama etwas irritiert. „Beim Café am Platz gibt’s das. Was weißt du überhaupt? Da kannst du übrigens auch deinen geliebten Madame-Wu-Tee haben; den gibt es dort nämlich auch.“ Und siehe da: mit dem letzten Satz hat er seine Mama nun doch überzeugt. Neugierig marschierte sie mit dem Kleinen Ennser auf den Hauptplatz, um sich vom Wahrheitsgehalt ihres Sprösslings zu überzeugen. Umso überraschter war sie, als sie sich eingestehen musste, dass jedes ein­zelne Wort stimmte. „Das ist ein typisches Alt-Wiener-Kaffeehaus mitten in Enns“, sagte sie beim Be­treten und bestellte sich sogleich einen ihrer geliebten Madame Wu-Tees, was der Kleine Ennser mit einem fröhlichen Augenzwinkern kommentierte.

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